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Sonntag, 24. November 2013

Johann Georg Hamann - Magus des Nordens

Von Ralf Keuper

Lange Zeit galt Johann Georg Hamann als Irrlicht unter den deutschen Denkern. Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich der Blick gewandelt. Seitdem stehen die häufig sprunghaften und nicht immer leicht zugänglichen Gedankengänge Hamanns in dem Ruf, zu einem bessern Verständnis einiger Entwicklungen der modernen Gesellschaft beitragen zu können, wie in Fragen des Glaubens und der Naturwissenschaft. Erwin Chargaff, der scharfzüngige Kritiker der modernen Naturwissenschaften bzw. der Genforschung, berief sich immer wieder auf Hamann:
Es ist natürlich nicht ungefährlich, einen alten Denker als Kronzeugen anzurufen gegen eine Richtung, welche die Wissenschaft unserer Tage eingeschlagen hat. Dennoch möchte ich sagen, dass es so etwas gibt wie eine umgekehrte Vogelperspektive: aus der fernen Distanz der Vergangenheit lässt sich unsere Gegenwart mit klareren Augen erblicken. (in: Warnungstafeln. Die Vergangenheit spricht zur Gegenwart)
Von Hamanns Denken beeinflusst, ja beeindruckt waren neben Dichtern wie Herder, Goethe und Ernst Jünger auch Philosophen wie Schelling und Kierkegaard. Hegel dagegen tat sich, was nicht verwundert, schwer mit Hamanns Denken und Stil, während Wilhelm Dilthey dagegen schon aufgeschlossener war.

Der Philosophie seines Gönners Immanuel Kant stand Hamann kritisch gegenüber. Zu sehr vertraue Kant auf das Vermögen des abstrakten, reinen Denkens und vernachlässige dabei den Wert der Sprache:
Kant hat das Wort vergessen, ein Purismus der Vernunft von der Sprache aber ist unmöglich. Wer nicht in die Gebärmutter der Sprache, welche die Deipara [Gottesgebärerin] unserer Vernunft ist, eingeht, ist nicht geschickt zur Geistestaufe einer Kirchen- und Staatsreformation.
Martin Seils hat die Besonderheiten im Denken Hammans in seinem Buch Wirklichkeit und Wort bei Johann Georg Hamann besonders eindrücklich herausgearbeitet. (Vgl. dazu: Golgotha und Schiblimini)

Seine letzte irdische Zuflucht fand Hamann bei der Fürstin von Gallitzin, die mit dem Kreis von Münster einen Salon unterhielt, ähnlich dem berühmten der Rahel Varnhagen
Jedenfalls war der Kreis von Münster so bekannt, dass neben Hamann auch Goethe den weiten Weg nach Westfalen auf sich nahm. Goethe u.a. auch, um das Grab Hamanns zu besuchen. Hamanns letzte Stunden hielt die Fürstin von Gallitzin in ihrem Tagebuch fest. Seine letzte Ruhestätte fand Hamann in ihrem Garten. 

Friedrich Leopold zu Stolberg gibt dazu folgende Schilderung:
Im Garten der Fürstin liegt Hamann begraben. Inschrift und Urne bezeichnen die Ruhestätte des tiefen Denkers, dessen Geist sich oft aus Adlerschwingen poetischer Kraft erhob und in Gewölken sich verlor, wohin nur der schärfste Blick, und auch nicht der immer, ihm nachsieht. Mit einem Mann von seinem Geist, seinem Herzen, musste die Gallitzin sympathisieren. Beider kindliche Einfalt, im echt evangelischen Sinne, heiligte ihre Freundschaft und hob den protestantischen Weisen sowohl als die eifrige Katholikin über ihre ängstliche Bedenklichkeit ihres verschiedenen Bekenntnisses. (Besuch in Münster, in: Westfälisches Hausbuch)
In Münster hält man sein Andenken daher auch heute noch wach, wie mit den Magus-Tagen. In diesem Jahr erhielt der Berliner Philosoph Wilhelm Schmidt-Biggemann den Hamann-Forschungspreis. 

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