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Sonntag, 13. Oktober 2013

Giordano Bruno und der Neuplatonismus der Renaissance

Von Ralf Keuper

Leben und Wirken von Giordano Bruno erhitzen zuweilen noch heute die Gemüter. Der Ketzerei und Magie von der Inquisition für schuldig befunden, wurde Bruno im Jahr 1600 von dem weltlichen Gericht des römischen Gouverneurs zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Seitdem ist er für viele ein Märtyrer im Kampf um die Einheit der Menschheit und der Religionen. Für den vielseitig gebildeten Bruno, er war u.a. Astronom, war angesichts der Unendlichkeit des Kosmos die kirchliche Dogmatik nicht mehr haltbar. Als erster entdeckte Bruno die polare Abplattung der Erde und bemerkte noch vor Galilei, gestützt allein auf sein Denken, die Achsendrehung der Sonne. Da die Erde, wie schon Kopernikus entdeckte, nicht der Mittelpunkt des Kosmos ist, war für Bruno der Geozentrismus und Anthropozentrismus der katholischen Kirche hinfällig. Wenn der Kosmos unendlich ist, so auch die Seele des Menschen und ebenso Gott. Für kirchliche bzw. theologische Sektiererei war da kein Platz mehr. 
Verständlicherweise fühlte sich die Kirche durch diese Gedanken in ihrer Stellung bedroht. Für den Kirchenkritiker Eugen Drewermann zeigt die katholische Kirche für ihr an Giordano Bruno begangenes Unrecht keine wirkliche Reue; bis heute verbannt sie sein Denken aus ihrem Lehrgebäude. In Rom befindet sich in Sichtweite des Vatikans ein Denkmal zu Ehren Giordano Brunos. Im heiligen Jahr 2000 drängte der Vatikan die Stadt Rom, das Denkmal zu entfernen, was die Stadt damit beantwortete, dass sie das Denkmal einer aufwändigen Renovierung unterzog. 

Im März 2000 erklärte Papst Johannes Paul II, dass die Hinrichtung Brunos auch aus kirchlicher Sicht ein Unrecht gewesen sei. 

Giordano Brunos Wedergang ist nur schwer zu verstehen, ohne das Wiederaufleben der Philosophie des Neuplatonismus während der Renaissance. Wie es in dem Audiobeitrag Giordano Bruno und der Neuplatonismus heisst, stand Brunos Denken unter dem Einfluss der Hermetik. Als religiöse Offenbarungslehre strebte die Hermetik die Vereinigung von Gottesschau und Erkenntnis an. Bruno interpretierte die Hermetik als die wahre Religion, mit deren Hilfe der Mensch mit den kosmischen Kräften in Austausch treten konnte. Sich selbst begriff Bruno als Priester eben dieser Religion. Bruno lehnte Platons Dualismus, die Welt der Ideen im Gegensatz zur materiellen Welt (Sinnliches vs. Übersinnliches), entschieden ab. Stattdessen plädierte er für eine monistische Anschauung der Welt. Ähnlich, wenngleich nicht in dieser Schärfe, argumentierte bereits Nikolaus von Kues, der den Dualismus Platons ebenfalls ablehnte und die Naturferne der Scholastik kritisierte. 
Seine Philosophie brachte Bruno in die Nähe zum Pantheismus. Bruno vertrat eine Universalphilosophie mit dem Ziel, möglichst große Bereiche des Wissens und Seins miteinander zu verbinden. Mit ihrer Hilfe wollte Bruno die Einheit hinter den Gegensätze der verschiedenen religiösen Lehren sichtbar machen. 

In Wilhelm Windelbands Klassiker Lehrbuch der Geschichte der Philosophie heisst es zu Bruno:
Es bedarf keiner besonderen Theodicee; die Welt ist vollkommen, weil sie Gottes Leben ist, bis in alles Einzelne hinein, und nur derjenige klagt, welcher sich nicht zur Anschauung des Ganzen erheben kann. Die Weltfreudigkeit der ästhetischen Renaissance singt in Brunos Schriften philosophische Dithyambren: ein unversalistischer Optimismus von hinreißendem Schwung waltet in seinen Dichtungen. 



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