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Mittwoch, 13. März 2013

Edward Tufte - Prinzipien der Informationsvisualisierung

Von Ralf Keuper

Edward Tufte, Informationswissenschaftler und Grafikdesigner, hat u.a. den Begriff "Chartjunk" (Chartmüll) geprägt. In seinen Büchern, die als Meilensteine der Informationsvisualisierung gelten, zieht er immer wieder gegen schlecht gemachte Diagramme, insbesondere gegen Power Point, zu Felde. Unterstützt wird er dabei etwa von Stephen Few und in Deutschland von Bissantz & Company. Auf Tufte gehen ebenfalls die Sparklines zurück, Wortgrafiken, die dazu verwendet werden, Zahlen und Text auf sinnvolle und platzsparende Weise zu präsentieren. 

Damit sind wir dann auch bei seinem Vortrag. Ganz gleich, wie Sachverhalte dargestellt werden - durch Bilder, Diagramme, Zahlen, Wörter oder Filme: Es geht immer um Informationen und um Evidenz. Kriterien für die Beurteilung gut gestalteter Informationen sind Relevanz und Integrität. 
Zur Verdeutlichung geht Tufte bis in das frühe Mittelalter zurück. Im 9. Jahrhundert entstand ein für ihn bisher unübertroffenes Beispiel einer gelungenen Kombination aus Wort und Bild - die Darstellung und Erläuterung eines Centauren. Weiteres Paradebeispiel ist Galileos Bericht von der Entdeckung der Ringe um den Saturn. Auch hier eine vorbildliche, für Tufte bislang unübertroffene, Symbiose aus Text und Bild. Als letztes Beispiel dient ihm eine Grafik, die den Russlandfeldzug Napoleons im Jahr 1812 veranschaulicht und dabei das ganze Ausmass des Elends auf einen Blick verdeutlicht, Tolstois Krieg und Frieden ebenbürtig. 

Vor allem das letzte Beispiel ist lehrreich, da es alle wichtigen Kriterien des analytical thinking bzw. analytical design erfüllt: 
  1. Stell Vergleiche her und mach deutlich, was und womit du verglichen hast. 
  2. Zeige die Kausalitäten und Mechanismen hinter der Darstellung. 
  3. Verwende mehrere Variablen. Auch im Alltag haben wir es mit mehreren Dimensionen zu tun. So also auch in unseren Darstellungen.
  4. Beschränke dich nicht nur auf eine Darstellungsform, sondern wähle, je nach Bedarf mehrere, d.h. Wörter, Bilder, Metaphern, Zahlen .. Strebe einen Pluralismus an. 
  5. Stell Dokumente und Quellen über das, was du darstellst und veranschaulichst, zur Verfügung. Präsentationen und Berichte, die das nicht tun, sind mit größter Skepsis zu betrachten. Höchstwahrscheinlich handelt es sich dann um "Rosinenpickerei".
Da Wörter in ihrer Bedeutung meistens lokal begrenzt sind, Bilder dagegen nicht, handelt es sich für Tufte bei den Regeln gelungener Informationsvisualisierung um universell gültige Prinzipien. 





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