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Montag, 11. März 2013

Armin Falk: Ökonomie neu denken


Von Ralf Keuper

Armin Falk, Direktor und Professor am Center for Economics and Neuroscience in Bonn über die Grenzen rationalen Handelns und Denkens in der Ökonomie. 

Weitaus häufiger als wir denken, sind unsere Entscheidungen vom Bauchgefühl statt vom Kopf gesteuert. Trotzdem geistert   das Bild vom Homo Oeconomicus noch immer durch die Lehrbücher. Die Grundannahmen des Homo Oeconomicus sind inzwischen empirisch widerlegt und damit schlicht falsch. Wichtiger als die Nutzenmaximierung für das Handeln der Menschen sind Faktoren wie Vertrauen, soziale Anerkennung und Fairness.  Verteilungs- und Effizienzfragen lassen sich deswegen nicht voneinander trennen. Verteilungsfragen haben unmittelbare Konsequenzen für die Effizienz, z.B. führen als unfair wahrgenommene Belohnungen zu Stress und über die Beeinträchtigung der Gesundheit auch zu einem Verlust an Effizienz, wie das sozioökonomische Panel belegt. Das Dogma, Ungleichheit führe zu höherer wirtschaftlicher Aktivität, ist widerlegt. 

Da Menschen beschränkt rational sind, lässt sich ihr Verhalten nicht durch mathematische Modelle fassen. Sie sind nicht einmal näherungsweise richtig. In schwierigen Entscheidungssituationen werden statt aufwändiger Berechnungen Heuristiken eingesetzt. Würden wir stets rational handeln, wäre jede Form von Verbraucherschutz und Regulierung überflüssig. Das widerspricht jedoch der Realität, da wir häufig Dinge machen, die wir eigentlich nicht wollen.

Die Neuroökonomie hat seiner Ansicht nach die Ökonomie von Denkverboten befreit. Entscheidende Frage ist jetzt, was an die Stelle des Homo Oeconomicus treten soll bzw. wird.

Die Politik sollte mehr Mut haben, sich auf einen Dialog mit Wissenschaftlern einzulassen, denen es um die Sache und nicht um ihre Interessen und Beraterverträge geht. Die meisten der in den Medien sich zu Wort meldenden Ökonomen spielen in der internationalen Forschung keine Rolle. Entsprechend ist die wissenschaftliche Qualität ihrer Beratungsangebote. Da wäre keine Beratung die bessere Beratung. 

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